»Wie ungleich ist die Kita-Versorgung auf Stadtteilebene?« Bericht zur Veranstaltung der Linksfraktion im Landschaftsverband Rheinland
Es ist gut belegt, dass sich der Zugang zu frühkindlicher Bildung auf die späteren Lebenschancen von Menschen auswirkt. Umso kritikwürdiger ist es, dass der Zugang zu frühkindlicher Bildung in Deutschland stark von der sozioökonomischen Segregation der Städte beeinflusst wird. In ein- und derselben Stadt gibt es in wohlsituierten Vierteln im Durchschnitt ein Drittel mehr Kitas pro Anzahl Kinder als in sozioökonomisch prekären Räumen.
Laut einer Studie von vier Forschenden aus Köln und Düsseldorf geht dieser Unterschied darauf zurück, dass sich konfessionelle- und private-gemeinnütze Kitas deutlich häufiger in wirtschaftlich wohlhabenderen Quartieren ansiedeln als in sozial schwachen Stadtteilen. Städtische Kitas bestärken diese Ungleichheit nicht, können sie aber auch nicht ausgleichen.
Zwei Ko-Autoren, Dr. Matthias Diermeier vom Kölner Institut der Wirtschaft, Köln und Dr. Leon Wansleben vom Kölner Max Planck-Institut für Gesellschaftsforschung führten Teilnehmende aus dem gesamten LVR-Gebiet und darüber hinaus durch Methodik und Ergebnisse ihrer Studie und standen anschließend für Rückfragen und Diskussion zur Verfügung.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sahen in dieser Frage nicht nur die Landespolitik, sondern auch und gerade die Kommunalpolitik in der Pflicht, gegen die unleugbare dokumentierte Versorgungsungleichheit anzugehen. Dies wird durch die herausgehobene Rolle freier und gewerblicher Träger im Kindertagesbetreuungsgesetz erschwert.
Zum gleichen Themenkomplex veröffentlichte der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband (DPWV) im September einen Bericht. Demnach besuchen nur 19 Prozent der ein- bis zweijährigen Kinder aus armutsbetroffenen Familien eine Kita. Gleichaltrige Kinder aus nicht von Armut betroffenen Familien profitieren dagegen doppelt so häufig von einem Kitaplatz (41 Prozent).
Unsere beiden geladenen Referenten bekundeten, gerne für die Vorstellung ihres Vortrags Kommunalfraktionen, Verwaltungen sowie Kinder- und Jugend(hilfe)ausschüssen zur Verfügung zu stehen. Die Linksfraktion im LVR wird einen Musterantrag zur Verfügung stellen, mit dem kommunalpolitische Mandatsträger:innen das Anliegen vor Ort zum Thema machen können.

