Rheinlandtaler für Care 4 Cologne e.V. und Helping Hands Cologne e.V.: Engagement für Würde und Teilhabe

Der LVR verlieh kürzlich eine besondere Auszeichnung: Den Rheinlandtaler in der Kategorie „Gesellschaft“. Mit Care 4 Cologne e.V. und Helping Hands Cologne e.V. wurden zwei Vereine geehrt, deren tägliches Wirken für Menschen steht, die von vielen in unserer Gesellschaft übersehen oder verdrängt werden: wohnungs- und obdachlose Menschen.

Rund 122.000 Menschen leben in Nordrhein-Westfalen ohne eigene Wohnung – viele von ihnen auf der Straße. Es sind Menschen, die aus den verschiedensten Gründen aus dem gesellschaftlichen Raster gefallen sind: Krankheit, Verlust der Arbeit, Trennung, Sucht, psychische Krisen, fehlender Aufenthaltsstatus. Nicht selten kommt eine Krise zur anderen. Was bleibt, ist der tägliche Überlebenskampf im öffentlichen Raum – häufig ohne Schutz, ohne Perspektive, ohne Stimme.

Was der Staat eigentlich leisten müsste, bleibt in vielen Fällen aus. Statt eines menschenwürdigen Wohnangebots, psychosozialer Betreuung und gesicherter Existenz finden viele Betroffene nur bürokratische Hürden, prekäre Unterkünfte oder schlicht Ignoranz. Immer häufiger wird Verantwortung auf das Ehrenamt abgewälzt – auf Menschen, die in ihrer Freizeit das tun, was eigentlich öffentliche Aufgabe wäre: helfen.
Care 4 Cologne e.V. und Helping Hands Cologne e.V. füllen diese Leerstelle. An mehreren Tagen in der Woche versorgen sie Menschen auf der Straße mit dem Notwendigsten – warmen Mahlzeiten, Getränken, Kleidung, Hygieneartikeln. Doch sie geben mehr als das: Sie schenken Aufmerksamkeit, ein offenes Ohr, Respekt – und damit Würde. Sie signalisieren: Ihr seid nicht vergessen. Ihr gehört dazu.

So werden beispielsweise Projekte realisiert, wie das von Helping Hands Cologne: In mehreren Wintermonaten konnten obdachlose Menschen mit Suchtproblematiken in Einzelzimmern der Jugendherberge Pathpoint-Cologne untergebracht werden. Über zehn Menschen schafften dadurch den Weg raus aus der Obdachlosigkeit – ein leiser, aber nachhaltiger Erfolg. Es zeigte: Wenn der Schutzraum da ist, wenn Ruhe und Würde zurückkehren, dann werden Veränderungen möglich.
Doch trotz der Erfolge wurde das Projekt nicht fortgesetzt, seitdem die Stadt Köln die Immobilie übernommen hat. Zudem herrscht akuter Mangel an Wohnraum, insbesondere in Ballungszentren wie Köln. Die Bedingungen in vielen Obdachlosen-Unterkünften bleiben prekär – oft überfüllt, unsicher, menschenunwürdig.

Der Rheinlandtaler des LVR ist in diesem Sinne ein wichtiges Zeichen: für zivilgesellschaftliches Engagement, für soziale Gerechtigkeit, für eine inklusive Gesellschaft. Die Auszeichnung würdigt Menschen und Initiativen, die sich im Sinne der LVR-Werte für gleichberechtigte Teilhabe einsetzen – unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Behinderung oder sozialem Status.
Wir freuen uns daher besonders, dass Care 4 Cologne e.V. und Helping Hands Cologne e.V. diesen Preis erhalten haben. Sie stehen stellvertretend für viele weitere Aktive, die mit Herz und Haltung dort anpacken, wo der Staat sich zurückzieht.
Unser besonderer Dank gilt auch unserem ehemaligen Fraktionsmitglied Gunda Wienke, die unsere Fraktion auf die Arbeit von Care 4 Cologne e.V. aufmerksam gemacht und damit den Anstoß zur Nominierung gegeben hat.

Gefreut hat uns, dass sich Lea Reisner, Kölner Bundestagsabgeordnete der Linken, die Gelegenheit nicht hat nehmen lassen, bei der Verleihung persönlich vor Ort zu sein. In Gesprächen mit beiden Vereinen bedankte sie sich herzlich für ihr unermüdliches Engagement. Gleichzeitig sicherte sie zu, dass sie die Arbeit der beiden Initiativen auch zukünftig politisch begleiten und unterstützen wird – vor Ort in Köln und im Bundestag. Denn wahre Anerkennung bedeutet nicht nur Lob, sondern konkrete politische Unterstützung.
Fazit: Hilfe ist kein Akt der Gnade – sondern ein Menschenrecht.