LVR-Veranstaltung bei der didacta 2026: Übergänge zwischen Bildungsinstitutionen als gemeinsame Aufgabe der Kindertageseinrichtungen und Grundschulen
Wenn die didacta, die größte Fach- und Buchmesse für Bildungswirtschaft in Europa in Köln stattfindet, richtet auch der Landschaftsverband Rheinland (LVR) dort eine Veranstaltung zu einem Thema in der Schnittmenge des Messethemas mit seinen Aufgaben und Schwerpunkten aus. Zudem trifft sich im Vorfeld der Landesjugendhilfeausschuss (LJHA) zu seiner Sitzung in der KölnMesse unweit des LVR-Landeshauses in Köln-Deutz.
Am 12. März richtete das Landesjugendamt Rheinland im Rahmen der didacta ein Fachforum aus zum Thema „Institutionelle Übergänge gestalten. Eine gemeinsame Aufgabe für Kindertageseinrichtungen und Grundschulen“, moderiert von Henriette Borggräfe und Angelina Groß vom LVR-Dezernat 4 für Kinder, Jugend und Familie. Aus diesem Dezernat sprach auch die Fachbereichsleiterin für Kinder und Familie Sandra Clauß stellvertretend für das Landesjugendamt als Teil des Panels. Als Vertreterinnen der Praxis waren Heike Badberg vom Krefelder Jugendamt sowie Ulrike Rubruck von der Fröbel Gruppe, einer der größten Träger von Kinderkrippen, Kindergärten und Horten in der Bundesrepublik, zu hören und sehen. Die Perspektive der Wissenschaft vertraten Dr. Armin Schneider, Professor für Empirische Sozialforschung und Sozialmanagement an der Hochschule Koblenz sowie Direktor des Institutes für Bildung, Erziehung und Betreuung in der in der Kindheit in Rheinland-Pfalz (IBEB) sowie Kathrin Bock-Famulla von der Bertelsmann-Stiftung. Die beiden letztgenannten hatten bereits in der vorausgegangenen Landesjugendhilfeausschuss-Sitzung zum gleichen Themenbereich referiert.
Anhand eines Folienvortrags stellte Heike Badberg das Krefelder „Haus der Bildung“ vor. Dieses vereint unter einem Dach einen Kindertagespflegestützpunkt, eine Kindertageseinrichtung sowie eine inklusive Ganztagsgrundschule, um nach eigener Darstellung „Kindern einen nahtlosen Übergang und eine optimale Förderung zu bieten“. Zudem bietet es als Familienzentrum „Beratungsangebote und zahlreiche Aktivitäten für Groß und Klein“. Zu den Stärken der Einrichtung gehörten Frau Badberg zufolge die Möglichkeiten „anlassfreier Begegnungen“ zwischen den Kindern an unterschiedlichen Etappen ihrer Bildungsbiographien. Sie unterstrich zudem, nicht nur Kindern, sondern auch Eltern hätten den Übergang von Kita zur Schule zu meistern. Frau Rubruck stellte für die Fröbel-Gruppe das Ziel heraus, alle Kinder sollten bei Eintritt in die Grundschule teilhabefähig sein. Sie berichtete von einem Austausch von 30 Leuten zum Thema „Übergänge neu gestalten“, den ihre Organisation ausrichtete.
Im Panel kritisierte Professor Schneider die oftmals „industrielle“ Organisation der Schulen und fragte, wo darin die Teilhabe und die „Teilgabe“ der Schülerinnen und Schüler blieben. Die sehr populäre Formel der „Teilhabefähigkeit“ wurde wiederum von Frau Bock-Famulla kritisch hinterfragt. Heike Badberg aus Krefeld fand, am dortigen „Haus der Bildung“ zeige sich, dass Kindern auch mit vergleichsweise einfachen Mitteln geholfen werden könne. Das Land und die anderen politischen Entscheidungsebenen sollten mehr innovative Projekte in diesem Sinne fördern. Für das LVR-Dezernat wies Frau Clauß hin auf den eingeschränkten Aktionsraum, der durch § 85 Sachliche Zuständigkeit des achten Sozialgesetzbuches bestimmt sei. Erster Ansprechpartner für Fragen der Übergänge zwischen Bildungsinstitutionen seien die 95 kommunalen Jugendämter im Rheinland. Zugleich unterstrich sie, bei begrenzten Ressourcen müsse man insbesondere auf diejenigen Eltern zugehen, die selbst keine guten Erfahrungen mit dem System Schule gemacht hätten. Gegen Ende kam das Panel auf das unvermeidliche Thema Geld und Ressourcen zu sprechen. Frau Badberg sprach dabei die sogenannten ABC-Klassen an: Ein neues Modell, wonach die Anmeldung zur Grundschule um etwa ein halbes Jahr vorgezogen wird und Kinder mit Sprachdefiziten künftig verpflichtend zweimal pro Woche für jeweils zwei Stunden an Klassen zur frühzeitigen Sprachförderung teilnehmen sollen. Unter Applaus des Publikums bemerkte sie, jenes Geld, das in Nordrhein-Westfalen demnächst für die ABC-Klassen ausgegeben würde, hätte sie stattdessen lieber für die Kitas zur Verfügung. Diese könnten bei besserer Ausstattung als bisher die gleiche Aufgabe ebenso gut erfüllen. Ebenso mit Applaus quittierte das Publikum Professor Schneiders These, dass jedes Kind wichtig und genug Geld da, aber eben falsch verteilt sei.


