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Kunst zwischen Wirklichkeit und Wahrnehmung: Luise-Straus-Preis des LVR für Alex Grein

Lara Basten

Im Max Ernst Museum Brühl des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) wurde gestern der Luise-Straus-Preis des LVR an die Künstlerin Alex Grein verliehen. Für die Fraktion Die Linke im LVR nahm die Fraktionsvorsitzende und zugleich stellvertretendes Mitglied im Kulturausschuss Lara Basten an der Preisverleihung und der anschließenden Ausstellungseröffnung teil.

Mit dem Luise-Straus-Preis würdigt der Landschaftsverband Rheinland herausragende Künstlerinnen im Bereich der Bildenden Kunst. Der Preis ist dabei weit mehr als eine klassische Auszeichnung: Er setzt bewusst ein kulturpolitisches Zeichen für Sichtbarkeit, Förderung und Anerkennung von Künstlerinnen in einem Kulturbetrieb, der noch immer von strukturellen Ungleichheiten zuungunsten von Frauen geprägt ist.

Benannt ist der Preis nach Luise Straus-Ernst, Kunsthistorikerin, Publizistin und erste Ehefrau von Max Ernst. Sie wurde 1944 in Auschwitz ermordet. Ihr Name steht bis heute für Haltung, kritische Reflexion und den Mut, eigene Wege zu gehen.

Die diesjährige Preisträgerin Alex Grein, geboren 1983 in Köln und heute in Düsseldorf lebend, beschäftigt sich in ihrer künstlerischen Arbeit intensiv mit der Frage, wie Bilder Wirklichkeit formen – und wie fragil unsere Wahrnehmung eigentlich ist. In ihren Werken verbindet sie analoge und digitale Verfahren, arbeitet mit Fotografien, Archivmaterial und digitalen Bildwelten und schafft daraus Arbeiten, die bewusst irritieren und Sehgewohnheiten hinterfragen.

Die mit den Preis begleitende Ausstellung „ongoing“ greift genau diesen Gedanken auf. Bereits der Titel verweist auf etwas Fortlaufendes, auf ständige Bewegung, Wiederholung und Veränderung. Bilder lösen sich auf, verändern ihre Bedeutung oder erscheinen plötzlich anders, als sie zunächst wahrgenommen wurden. Gerade in Zeiten KI-generierter Bilder, Social Media und permanenter digitaler Bilderflut stellt Grein damit hochaktuelle Fragen: Was halten wir eigentlich für wahr? Und wie entstehen unsere Vorstellungen von Realität?

Besonders eindrucksvoll wirkt die Installation „Speicher“. Dabei werden Fotografien in Eisblöcke eingefroren und während der Ausstellung langsam zum Schmelzen gebracht. Was zunächst wie ein konservierter Moment wirkt, löst sich nach und nach auf: Farben verlaufen, Wasser sammelt sich auf metallenen Flächen, das Bild verändert sich permanent. Die Arbeit macht Erinnerung, Vergänglichkeit und den Verlust von Kontrolle sichtbar – und entwickelt gerade durch das Schmelzen eine enorme visuelle Kraft. Die eingefrorenen Fotografien wirken fast wie konservierte digitale Erinnerungen, die sich vor den Augen der Besucherinnen und Besucher langsam verflüchtigen.

Auch die Werkreihe „Collection“ beschäftigt sich mit den Folgen menschlicher Eingriffe in Natur und Landschaft. Präparierte Insekten werden dabei durch zerstörte oder veränderte Räume wie den Tagebau Garzweiler geführt – Orte, die zeigen, wie stark der Mensch seine Umwelt verändert hat.

Der Luise-Straus-Preis umfasst neben dem Preisgeld auch eine Einzelausstellung im Max Ernst Museum sowie einen begleitenden Ausstellungskatalog. Damit leistet der LVR einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Förderung zeitgenössischer Kunst im Rheinland.

Die Ausstellung „ongoing“ von Alex Grein ist noch bis zum 5. Juli 2026 im Max Ernst Museum Brühl des LVR zu sehen. Ein Besuch lohnt sich für alle, die Kunst erleben möchten, die nicht nur betrachtet werden will, sondern Fragen stellt und zum Nachdenken herausfordert.

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