Für Kinder, Beschäftigte und Betroffene: Ein Dezernat, viele Lebenswelten - Unser Infoweg durch das „Schuldezernat“
Als Fraktion in der Landschaftsversammlung Rheinland mit sehr vielen neuen Mitgliedern ist uns eines von Beginn an besonders wichtig: wirklich zu begreifen, wie vielfältig der LVR in seiner Aufgabenerfüllung ist.
Der LVR ist nicht „irgendwo Verwaltung“, sondern ein zentraler Teil öffentlicher Daseinsvorsorge im Rheinland: nah an den Menschen, nah an ihren Rechten, nah an den Orten, an denen das Leben konkret stattfindet. Genau deshalb haben wir gezielt Einblicke in die einzelnen neun Dezernate genommen.
Bei der Vorstellung des Dezernates für Schule, Inklusionsamt und Soziale Entschädigung haben wir direkt die Chance ergriffen, nicht nur über Strukturen und Zuständigkeiten zu sprechen, sondern auch einen Ort zu besuchen, an dem diese Arbeit täglich lebendig wird: eine der Förderschulen in Trägerschaft des LVR. Vorgestellt wurde das Dezernat von Frau Landesrätin Dr. Schwarz. Bereits in dieser Einführung wurde deutlich, wie breit und anspruchsvoll die Aufgaben sind und wie viele unterschiedliche Lebenslagen, Anliegen und Notwendigkeiten hier zusammenlaufen.
Auch wir verkürzen das Dezernat im Alltag manchmal irrtümlich zum „Schuldezernat“. Doch diese Abkürzung wird der Realität nicht gerecht: die anderen Bereiche leisten einen nicht minder wichtigen und häufig sehr aufwendigen Beitrag, der tief in das Leben vieler Menschen im Rheinland hineinwirkt.
Für unsere Fraktion ist die Beschulung von Kindern mit und ohne Behinderung seit jeher ein Kernthema – und das bleibt so. Dabei geht es um eine Vielzahl von Aspekten: Wie kommen Kinder zur Schule? Wie sieht ein Schulalltag aus, der wirklich Teilhabe ermöglicht? Was ist mit nichtpädagogischem Personal, Räumen, Ausstattung, Therapie- und Pflegebedarfen? Was passiert in den Ferien – und welche Angebote bieten Eltern Entlastung und Kindern echte Freizeit? Kinder haben Rechte. Unabhängig davon, ob und welchen Grad einer Behinderung sie haben, welche Prognosen Erwachsene über sie treffen oder welche Erwartungen ihnen gesellschaftlich zugeschrieben werden. Aus der Pflicht zur Beschulung ergibt sich unser Auftrag, Schule so auszugestalten, dass sie den jeweiligen Lebenswelten gerecht wird – so gut es geht und mit dem Anspruch, immer besser zu werden. Das sind wir den Kindern schuldig, den Eltern – und am Ende auch uns als Gesellschaft.
In der LVR-Belvedere-Schule (von den Beteiligten „Belve“ genannt) in Köln-Müngersdorf konnten wir vor Ort sehen, was das ganz praktisch bedeutet. Eine Schule, in der Schulgemeinschaft nicht auf „die eine Feier in der Aula“ reduziert wird – schon weil es diese Aula gar nicht gibt. Stattdessen spürt man: Gemeinschaft wird hier im Alltag gemacht. Kinder werden in ihrer Unterschiedlichkeit nicht nur „mitgemeint“, sondern aktiv bestärkt, gefördert und in ihrem Selbstwert gestützt. Unser Besuch erfolgte kurz vor Karneval. Daran zeigte sich bereits, wie selbstverständlich Teilhabe hier gelebt wird: die Gruppe der „Belve“ gehört für viele Kölner:innen bei Schull- und Veedelszügen am Tulpensonntag fest dazu. Und das merkt man. Ebenso spürbar war, wie eng Schüler:innenschaft, pädagogisches und nichtpädagogisches Personal, Schulverwaltung und der LVR als Träger zusammenarbeiten. Dieses Hand-in-Hand ist keine Floskel – es ist Voraussetzung dafür, dass Inklusion nicht nur Anspruch bleibt, sondern Alltag werden kann.
Doch das Dezernat hat natürlich noch viel mehr zu bieten. Ein besonders zentraler Baustein ist das Inklusionsamt. Hier geht es um die Frage, wie ein inklusiver Arbeitsmarkt wirklich gelingen kann – nicht als moralischer Appell, sondern ganz konkret in Betrieben und Behörden. Das Inklusionsamt unterstützt dabei, Arbeitsplätze behinderungsgerecht zu gestalten, technische Hilfen zu ermöglichen, betriebliches Eingliederungsmanagement zu stärken und Konflikte so zu bearbeiten, dass Beschäftigung erhalten bleibt. Wichtig ist auch der besondere Kündigungsschutz: er schützt Menschen mit Schwerbehinderung davor, in Krisen oder Umbrüchen als Erste die Konsequenzen zu tragen. Für unsere Fraktion ist das eine Frage von Würde und sozialer Gerechtigkeit: gute Arbeit bedeutet, dass Menschen nicht aussortiert werden, wenn sie Unterstützung brauchen. Inklusion am Arbeitsplatz ist kein „Extra“, sondern ein demokratisches Versprechen – und zugleich eine sehr praktische Antwort auf Fachkräftemangel, wenn man sie ernst meint.
Ebenso bedeutend ist der Bereich der Sozialen Entschädigung. Dahinter steht ein klarer Grundsatz: wer durch gesellschaftliche oder staatlich anerkannte Umstände schweren gesundheitlichen Schaden erleidet, darf damit nicht allein gelassen werden. Soziale Entschädigung bedeutet Unterstützung für Menschen, die beispielsweise durch Gewalttaten oder andere anerkannte Schädigungen belastet sind – oft in Lebenslagen, die von Trauma, Bürokratiehürden und finanzieller Unsicherheit geprägt sind. Hier entscheidet sich, ob ein Sozialstaat tatsächlich schützt: durch Anerkennung, Beratung, Leistungen und das Bemühen, Verfahren zugänglich, respektvoll und möglichst entlastend zu gestalten. Für unsere Fraktion ist das ein Kern linker Politik: hinschauen, wo Menschen verletzt wurden – und dafür sorgen, dass Hilfe nicht vom Durchhaltevermögen im Formular-Dschungel abhängt.
Diese Einblicke haben uns bestärkt: der LVR, seine Dienststellen und insbesondere seine Schulen sind Orte, an denen Solidarität ganz konkret wird. Unsere Fraktion will diese Arbeit nicht nur begleiten, sondern sie politisch stärken – mit dem Blick auf individuelle Rechte, Teilhabe und gute öffentliche Infrastruktur. Denn ein starkes Rheinland ist eines, in dem niemand „mitgemeint“ ist, sondern alle wirklich dazugehören.

