Ausstellung: „Versorgt! Betriebliche Fürsorge bei der GHH“
„Versorgt!“ lädt Besucherinnen und Besucher ein, in eine Zeit einzutauchen, in der die Montanindustrie das Ruhrgebiet formte – und die soziale Wirklichkeit vieler Menschen mitbestimmte. Die historischen Aufnahmen offenbaren nicht nur das Selbstverständnis der GHH, sondern auch den Alltag einer sich wandelnden Arbeitswelt. (Aus der Presseankündigung)
Am Donnerstag, 9. Juli wurde im Oberhausener Industriemuseum St. Antony-Hütte die Ausstellung „Versorgt! Betriebliche Fürsorge bei der GHH“ eröffnet. Zu Beginn der Industrialisierung gab es keinerlei Absicherung für den Krankheitsfall oder im Alter. Die Menschen lebten in prekären Verhältnissen, immer knapp am Existenzminimum. Da die großen kapitalistisch organisierten Industrieunternehmen, zu denen auch die Gutehoffnungshütte (GHH) in Oberhausen gehörte, um Arbeitskräfte konkurrierten, wurde betriebliche Sozialfürsorge als Marketinginstrument zur Gewinnung von Mitarbeitern genutzt. Dazu zählten u.a. Kindergärten, Werkswohnungen, Versorgung der Alten oder auch die Möglichkeit des verbilligten Lebensmitteleinkaufs. Angemerkt werden muss, dass die Arbeiter sich im Gegenzug gegenüber dem Unternehmen diszipliniert verhalten und auf jegliche politische Betätigung verzichten sollten.
In Ihrem Einführungsvortrag erläuterte Frau Kornelia Panek, Leiterin des Museums St. Antony-Hütte und Kuratorin der Ausstellung, das Thema anhand von drei Bildern. Das erste Bild zeigt einen Kindergarten der GHH, in dem die Kinder nicht nur betreut, sondern zur Disziplin und Gehorsam erzogen wurden. Im zweiten Bild wird das Engagement der GHH im Wohnungsbau für ihre Belegschaft am Beispiel der heute teilweise unter Denkmalschutz stehenden Siedlung Stemmersberg thematisiert.
Wenn allerdings (etwa durch politische oder gewerkschaftliche Betätigung) gegen die Erwartungen der Unternehmensleitung verstoßen wurde, konnte man auch die Wohnung wieder verlieren. Die Essensausgabe bzw. der Verkauf von verbilligten Lebensmitteln für die Belegschaft steht im Zentrum des weiteren Bildes. Hier wird aber auch gezeigt, dass Kriegsgefangene bei der Essensausgabe und der Lebensmittelausgabe eingesetzt wurden. Insgesamt zeigt die Ausstellung in 60 ausgewählten Fotografien aus den Jahren 1900 bis 1950 die enge Verknüpfung von Arbeit, Alltag, Fürsorge und soziale Disziplinierung im Ruhrgebiet.
Die Ausstellung in der St. Antony-Hütte ist noch bis zum 16. Mai 2027 zu sehen.




