Aktuelles

18. September 2013 10:21 Alter: 5 yrs

Psychiatrie ohne Zwang – Was ist das? Konferenz am 22./23. November 2013 an der Universität Essen

 

Trotz der Forderung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen nach rechtlicher Gleichstellung ist im psychiatrischen Bereich weiterhin eine Behandlung allgemein erlaubt, die ohne Zustimmung bzw. ohne eingehende Aufklärung erfolgt.

Der allgemeine Glaube an die Psychiatrie als "Wissenschaft", obwohl sie aber nach wie vor auch die Funktion einer Ordnungsmacht hat, ist gesellschaftlich akzeptiert. Die heutige Psychiatrie muss sich aber trotz der Psychiatriereform Ende der 70er Jahre vor dem Hintergrund der menschenverachtenden, verletzenden und mordenden NS-Psychiatrie fragen lassen, ob das "Menschbild" der Nazi-Psychiatrie noch in gegenwärtigen umstrittenen Behandlungsmethoden wie Lobotomie und Elektroschocks überlebt hat .
Wo setzt die Menschenwürde des Individuums dem psychiatrischem Helfen und Heilen Grenzen?

Die Psychiatrietagung „Psychiatrie ohne Zwang – Was ist das?“ wird den Platz der Psychiatrie in unserer Gesellschaft aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten und historisch einbetten. Gleichzeitig sollen Perspektiven für die Zukunft der Psychiatrie aufgezeigt und wünsch- und umsetzbare Rahmenbedingungen formuliert werden.
Als Teilnehmende erhalten Sie die Möglichkeit, sich intensiv und durch unterschiedliche Zugangsformen mit der Entwicklung und der heutigen Lage der Psychiatrie in der Bundesrepublik und insbesondere in NRW, auseinanderzusetzen. Dabei können Sie je nach Interessenschwerpunkt aus den einzelnen eher theoretisch angelegten oder praxisbezogenen Workshops auswählen und dabei mit den anderen Teilnehmenden in Kontakt und Austausch treten.

Programm

Freitag, 22. November


10.30 Uhr     Begrüßung durch die Veranstalter    (V15 R01 H90, Seminarraum)

11.00 Uhr     Workshops zum Thema Zwangsmedikation und Psychopharmaka

Workshop 1    Recht und Unrecht der psychiatrischen Zewangsbehandlung
Dr. David Schneider-Addae-Mensah (Klägervertreter beim Karlsruher Prozess zur Zwangsbehandlung)

Workshop 2    Kontinuität des psychiatrischen Unrechtssystems: Die kinder- und jugendpsychiatrische Heimunterbringung der 50er, 60er und 70er Jahre und die verhinderte Opferentschädigung heute   
Dr. Burkhard Wiebel (Die Linke im LWL), Rolf Decker (Verein ehemaliger Heimkinder)

Workshop 3
Dr. Reinhild Böhme (Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V. und Mitglied der Besuchskommission nach PsychKG)

12.30 Uhr     Mittagspause

13.30 Uhr    Dr. jur. Tanja Henking (Leiterin der Nachwuchsforschergruppe „Ethik und Recht in der modernen Medizin“, Institut für Medizinische Ethik und Geschich-te der Medizin, Ruhr-Universität Bochum):
Ethische und juristische Grundlagen psychiatrischen Handelns    

14.30 Uhr    Dr. Reinhild Böhme (Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V. und Mitglied
der Besuchskommission nach PsychKG):
Die Arbeit der Besuchskommission nach PsychKG   

15.30 Uhr     Pause

16.00 Uhr    Dr. David Schneider-Addae-Mensah:
Der Zwangsmedikationsbeschluss des Bundesverfassungsgerichts und seine Bedeutung

18.00 Uhr     Zeit für Austausch und Gespräche

Moderation: Miriam Krücke
(Landesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V.)

Samstag, 23. November


10.00 Uhr     Begrüßung durch die Veranstalter (S05 T00 B32, Hörsaal)

10.15 Uhr    Parallel laufende Workshops zum Thema Zukunftsweisende Therapieformen

Workshop 4     Neue Wege psychiatrischen Handelns aus der Sicht eines niedergelassenen Psychiaters    Dr. Piet Westdijk (praktizierender Psychiater in Basel)

Workshop 5    Jenseits von Kunsttherapie. Schreiben und Fotografieren mit psychisch Kranken. Ein Pilotprojekt.    Eva Weissweiler (Schriftstellerin)

Workshop 6    Krisenzimmer und betroffenengeleitete Anlaufstelle
Matthias Seibt (Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V.)

12.00 Uhr     Mittagspause

12.45 Uhr    Piet Westdijk: Chancen Alternativer Behandlungsmethoden   

13.45 Uhr    Kathrin Vogler (MdB):                 
Mothers little Helpers – die Medikalisierung der Gesellschaft und Möglichkeiten des Widerstands   

14.45 Uhr    Pause

15.15 Uhr    Wolf-Dieter Narr:
Seminar zur Lage der Psychiatrie – Entwicklung des psychiatrischen Zwangs seit dem Foucault-Tribunal von 1998   

17.00 Uhr     Nina Hagen (Künstlerin und Schirmfrau der Initiative Patientenverfügung):
Wie die Patientenverfügung vor psychiatrischem Zwang und Entmündigung schützt

18.00 Uhr     Abschluss und Pressegespräch

Moderation: Miriam Krücke
(Landesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V.)


Veranstalter:   

Fraktion Die Linke. im Landschaftsverband Rheinland
Fraktion Die Linke. im Landschaftsverband Westfalen-Lippe
Landesverband Psychiatrie-Erfahrener NRW e. V.
Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e. V.
Allgemeiner Studierenden-Ausschuss der Universität Duisburg-Essen
Sozialistische Selbsthilfe Mülheim e. V.
Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW e. V.

Tagungsort:

Campus Essen

Universitätsstraße 245141 Essen

Blaues Gebäude V15
Raum V15 R01 H90

Eine Anmeldung bis zum 8. November 2013 erfolgt an:

Die Linke. im LVR, Kennedy-Ufer 2, 50679 Köln

Tel. 0221/809 7666 Fax -7663       Die.Linke(at)lvr.de


PrintversionSuche